Artikel:
0
Total: CHF 0.00

AGFF-Schermausradar 2017

Cornel J. Stutz, Agroscope Zürich, und Rafael Gago, AGFF Zürich

Das Schermaus-Radar ist ein Instrument, um die Dichte von Mäusepopulationen zu messen. Seit Frühling 2010 werden jährlich die Dichten von Schermauspopulationen an über 45 Standorten im Deutschschweizer Mittelland und den angrenzenden Hügelgebieten ermittelt. Die Daten der Mäusepopulationsschätzungen in den Kantonen Freiburg, Jura und Neuenburg werden der AGFF von den jeweiligen Fachstellen für Pflanzenschutz zur Verfügung gestellt.

Das Wissen, ob es zurzeit viele oder wenige Mäuse hat und wie sich die Situation weiter entwickeln wird, ist für Landwirte von grossem Nutzen. Das Schermaus-Radar hilft beispielsweise, folgende Fragen zu beantworten:

  • Wann ungefähr kann mit einem Populationszusammenbruch gerechnet werden?
  • Bis wann lohnt es sich, Mäusebekämpfung zu betreiben?
  • Wann muss man damit beginnen, Futterreserven anzulegen, um bei einem allfälligen Totalschaden in den Wiesen glimpflich davon zu kommen?

In Gebieten, wo der Anteil an Futter- und/oder Obstbauflächen hoch ist, verhalten sich Mäusepopulationen zyklisch. Es sind zwei Zyklustypen bekannt:

a)    Kurve mit Peak: Nach einer relativ langen Periode mit minimaler Mäuseaktivität folgt eine starke, aber kurze Massenvermehrung mit einem anschliessenden raschen Zusammenbruch der Population (z.B. Standorte in den Kantonen Jura und Neuenburg); regelmässige Zyklusdauer von zirka 5 bis 7 Jahren.

b)    Glockenkurve: Nach einer kurzen Zeit mit geringer Mäusedichte folgt eine relativ schwache langandauernde Wachstumsphase mit mässigem Maximum und anschliessendem allmählichen Abklingen der Population (z.B. die meisten Mittellandstandorte); unregelmässiger Zyklus.

Bei einer Mäusezahl von 300 bis 1000 Tieren pro Hektare, aus pflanzenbaulicher Sicht ein Totalschaden, bricht die Population gewöhnlich zusammen, so dass nur noch wenige Individuen auf der Fläche überleben.

Hinweis zur Interpretation des Mäuseradars

Die Populationsgrössen der untersuchten Flächen geben zwar einen Hinweis, kön­nen aber nicht vorbehaltlos auf die Mäusedichten der gesamten Region übertragen werden. Der Mäusebefall kann lokal von Parzelle zu Parzelle stark variieren. Hinge­gen zeigt die Entwicklung der Mäuseradar-Beobachtungsparzellen deutlich an, ob die Schermausbestände regional stagnieren, zu- oder abnehmen.

Die auf der Schweizerkarte eingezeichneten grünen und gelben Punkte symbolisieren Standorte, an denen die Mäusepopulationen momentan noch mit einem vernünftigen Aufwand reguliert werden können. Bei den roten, violetten oder sogar schwarzen Punkten, sind die Mäusepopulationen bereits so gross, dass eine grossflächige Regulierung einen unverhältnismässigen Aufwand bedeuten würde. In solchen Gebieten ist es ratsam, den Mäusen nur noch in wertvollen Kulturen (z.B. Obstanlagen, Gemüsegarten oder Blumenfelder) nachzustellen. Bei den violetten und schwarzen Punkten ist mit einem baldigen Zusammenbruch der Populationen zu rechnen.

Nach oben

Aktuelle Erkenntnisse aus den Erhebungen 2017

Im Jahr 2013 waren in beinahe allen Schweizer Regionen die Schermauspopulationen (ausnahmsweise) synchron zusammengebrochen. Seit dem haben sich die regionalen Schermauszyklen ganz neu formiert. Während die Schermaus-Populationen in einigen Voralpengebieten (z.B. Napfgebiet, Ricken, Appenzell) auf eher tiefem Niveau liegen, sind die Schermausdichten in zahlreichen Mittelland-Regionen (z.B. Aargauer, Luzerner oder St. Galler Mittelland) stark am Steigen.

Nicht nur Schermäuse (Arvicola terrestris) verursachen durch ihr Aufwühlen von Erde Flurschäden. Auch die etwa halb so grossen Feldmäuse (Microtus arvalis) können zu einer grossen Plage werden. Wenn eine Schermauspopulation zusammen gebrochen ist, kann vielfach beobachtet werden, dass Feldmäuse die leeren Baue der Schermäuse besiedeln und sich dank der grosszügigen Behausungen ihrer Vorgänger prächtig vermehren. Ein aktuelles Beispiel dafür sind die Franches-Montagnes im Kanton Jura, wo die Schermauspopulationen im 2014/15 komplett zusammenbrachen und aktuell auf tiefem Niveau sind. Gleichzeitig haben sich dort die Feldmäuse zum Leidwesen der Landwirte extrem vermehrt. Hermeline, Füchse, Katzen, Tag- und Nachtgreifvögel hingegen können sich freuen. Denn die für ihre Erhaltung wichtige Nahrungsquelle hat sich lückenlos von einer schwieriger jagdbaren Art (Schermaus) auf eine leichte Beute (Feldmaus) verschoben.