Artikel:
0
Total: CHF 0.00

AGFF-Schermausradar 2018

Cornel J. Stutz, Agroscope Zürich, und Rafael Gago, AGFF Zürich

Das Schermaus-Radar ist ein Instrument, um die Dichte von Mäusepopulationen zu messen. Seit Frühling 2010 werden jährlich die Dichten von Schermauspopulationen an über 45 Standorten im Deutschschweizer Mittelland und den angrenzenden Hügelgebieten ermittelt. Die Daten der Mäusepopulationsschätzungen in den Kantonen Freiburg, Jura und Neuenburg werden der AGFF von den jeweiligen Fachstellen für Pflanzenschutz zur Verfügung gestellt.

Das Wissen, ob es zurzeit viele oder wenige Mäuse hat und wie sich die Situation weiter entwickeln wird, ist für Landwirte von grossem Nutzen. Das Schermaus-Radar hilft beispielsweise, folgende Fragen zu beantworten:

  • Wann ungefähr kann mit einem Populationszusammenbruch gerechnet werden?
  • Bis wann lohnt es sich, Mäusebekämpfung zu betreiben?
  • Wann muss man damit beginnen, Futterreserven anzulegen, um bei einem allfälligen Totalschaden in den Wiesen glimpflich davon zu kommen?

In Gebieten, wo der Anteil an Futter- und/oder Obstbauflächen hoch ist, verhalten sich Mäusepopulationen zyklisch. Es sind zwei Zyklustypen bekannt:

a)    Kurve mit Peak: Nach einer relativ langen Periode mit minimaler Mäuseaktivität folgt eine starke, aber kurze Massenvermehrung mit einem anschliessenden raschen Zusammenbruch der Population (z.B. Standorte in den Kantonen Jura und Neuenburg); regelmässige Zyklusdauer von zirka 5 bis 7 Jahren.

b)    Glockenkurve: Nach einer kurzen Zeit mit geringer Mäusedichte folgt eine relativ schwache langandauernde Wachstumsphase mit mässigem Maximum und anschliessendem allmählichen Abklingen der Population (z.B. die meisten Mittellandstandorte); unregelmässiger Zyklus.

Bei einer Mäusezahl von 300 bis 1000 Tieren pro Hektare, aus pflanzenbaulicher Sicht ein Totalschaden, bricht die Population gewöhnlich zusammen, so dass nur noch wenige Individuen auf der Fläche überleben.

Hinweis zur Interpretation des Mäuseradars

Die Populationsgrössen der untersuchten Flächen geben zwar einen Hinweis, kön­nen aber nicht vorbehaltlos auf die Mäusedichte der gesamten Region übertragen werden. Der Mäusebefall kann lokal von Parzelle zu Parzelle stark variieren. Hinge­gen zeigt die Entwicklung der Mäuseradar-Beobachtungsparzellen deutlich an, ob die Schermausbestände regional stagnieren, zu- oder abnehmen.

Die auf der Schweizerkarte eingezeichneten grünen und gelben Punkte symbolisieren Standorte, an denen die Mäusepopulationen momentan noch mit einem vernünftigen Aufwand reguliert werden können. Bei den roten, violetten oder sogar schwarzen Punkten, sind die Mäusepopulationen bereits so gross, dass eine grossflächige Regulierung einen unverhältnismässigen Aufwand bedeuten würde. In solchen Gebieten ist es ratsam, den Mäusen nur noch in wertvollen Kulturen (z.B. Obstanlagen, Gemüsegarten oder Blumenfelder) nachzustellen. Bei den violetten und schwarzen Punkten ist mit einem baldigen Zusammenbruch der Populationen zu rechnen.

Nach oben

Aktuelle Erkenntnisse aus den Erhebungen 2018

Aus Sicht der Schermäuse zeichnete sich das Jahr 2017 durch einen milden Winter 2016/17 mit einem ausserordentlich frühen Vegetationsstart sowie einen warmen und milden Oktober aus. Die Spätfröste von Ende April 2017, die im Obst- und Beerenbau verheerende Auswirkungen zur Folge hatten, beeinträchtigten die Schermäuse in keiner Hinsicht. Entsprechend der langen und warmen Vegetationszeit war auch die Zeit der Mäusevermehrung ausgedehnter als in anderen Jahren. Wir gehen davon aus, dass die Schermäuse in der letzten Saison Jungtiere von ein bis zwei zusätzlichen Würfen aufziehen konnten. Der vergangene Winter hat das Niveau der Schermauspopulationen kaum nach unten korrigiert, da die Wintersterblichkeit der Schermäuse viel tiefer als allgemein erwünscht liegt.

Das Bild der Mäuseerhebung vom Frühjahr 2018 spricht für unsere Vermutung:
In fast allen Regionen des untersuchten Perimeters wuchsen die Schermauspopulationen. An 75 % der besuchten Flächen gab es in diesem Frühjahr mehr Mäusebaue als ein Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte davon haben die empfohlene Bekämpfungsschwelle von maximal 40 Mäusen pro Hektare bereits überschritten (rote, violette und schwarze Punkte in der Grafik). An diesen Standorten ist eine grossflächige direkte Mäusebekämpfung kaum mehr sinnvoll. Es lohnt sich, das Fallenstellen und Vergasen auf besonders wertvolle Kulturen zu konzentrieren.