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AGFF-Schermausradar 2020

Cornel J. Stutz, Agroscope Zürich, und Rafael Gago, AGFF Zürich

Das Schermaus-Radar ist ein Instrument, um die Dichte von Mäusepopulationen zu messen. Seit Frühling 2010 werden von Agroscope und der AGFF jährlich die Dich­ten von Schermauspopulationen an rund 50 Standorten im Deutschschweizer Mittel­land und den angrenzenden Hügelgebieten ermittelt. Die Daten der Mäusepopulati­onsschätzungen in den Kantonen Freiburg, Jura und Neuenburg werden der AGFF von den jeweiligen Fachstellen für Pflanzenschutz zur Verfügung gestellt.

Das Wissen, ob es zurzeit viele oder wenige Mäuse hat und wie sich die Situation weiter entwickeln wird, ist für Landwirte von grossem Nutzen. Das Schermaus-Radar hilft in Kombination mit einer Beurteilung der Lage auf dem eigenen Betrieb bei­spielsweise, folgende Fragen zu beantworten:  

  • Wann ungefähr kann mit einem Populationszusammenbruch gerechnet werden?
  • Bis wann lohnt es sich, Mäusebekämpfung zu betreiben?
  • Wann muss man damit beginnen, Futterreserven anzulegen, um bei einem allfälli­gen Totalschaden in den Wiesen glimpflich davon zu kommen? 

In Gebieten, wo der Anteil an Futter- und/oder Obstbauflächen hoch ist, verhalten sich Mäusepopulationen zyklisch. Es sind zwei Zyklustypen bekannt: 

a)    Kurve mit Peak: Nach einer relativ langen Periode mit minimaler Mäuseaktivität folgt eine starke, aber kurze Massenvermehrung mit einem anschliessenden ra­schen Zusammenbruch der Population (z.B. Standorte in den Kantonen Jura und Neuenburg); regelmässige Zyklusdauer von zirka 5 bis 7 Jahren. 

b)    Glockenkurve: Nach einer kurzen Zeit mit geringer Mäusedichte folgt eine relativ schwache langandauernde Wachstumsphase mit mässigem Maximum und an­schliessendem allmählichen Abklingen der Population (z.B. die meisten Mittel­landstandorte); unregelmässiger Zyklus. 

Bei einer Mäusezahl von 300 bis 1000 Tieren pro Hektare, aus pflanzenbaulicher Sicht ein Totalschaden, bricht die Population gewöhnlich zusammen, so dass nur noch wenige Individuen auf der Fläche überleben.

Hinweis zur Interpretation des Mäuseradars

Die Populationsgrössen der untersuchten Flächen geben zwar einen Hinweis, kön­nen aber nicht vorbehaltlos auf die Mäusedichte der gesamten Region übertragen werden. Der Mäusebefall kann lokal von Parzelle zu Parzelle stark variieren. Hinge­gen zeigt die Entwicklung der Mäuseradar-Beobachtungsparzellen an, ob die Scher­mausbestände regional stagnieren, zu- oder abnehmen.

Die auf der Schweizerkarte eingezeichneten grünen und gelben Punkte symbolisie­ren Standorte, an denen die Mäusepopulationen momentan noch mit einem vernünf­tigen Aufwand reguliert werden können. Bei den roten, violetten oder sogar schwar­zen Punkten, sind die Mäusepopulationen bereits so gross, dass eine grossflächige Regulierung einen unverhältnismässigen Aufwand bedeuten würde. In solchen Ge­bieten ist es ratsam, den Mäusen nur noch in wertvollen Kulturen (z.B. Obstanlagen, Gemüsegärten oder Blumenfelder) nachzustellen. Bei den violetten und schwarzen Punkten ist mit einem baldigen Zusammenbruch der Populationen zu rechnen.

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Aktuelle Erkenntnisse aus den Erhebungen 2020

In den meisten Regionen haben die Schermausbestände ihre Populationsdichte hal­ten oder sogar vergrössern können. Klassische Massenvermehrung ereignen sich aktuell im Entlebuch LU, in der Region Thal SO und in den Franches-Montagnes JU. Eine deutliche Entspannung bezüglich Schermausdruck erfahren die Bauern im Em­mental BE, im Säuliamt ZH und auf dem Hirzel ZH sowie im freiburgischen voralpi­nen Hügelgebiet (siehe Grafiken).

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Profitieren Schermäuse von einem wärmeren Klima?

Die kleinen Nager in unseren Böden sind sehr fruchtbar. Ein Weibchen bringt ge­wöhnlich bis 5 Würfe pro Jahr mit 2 bis 8 Jungen zur Welt. Die Jungen sind bereits nach 5 Wochen geschlechtsreif und können ab dann ihren Beitrag zur Arterhaltung und -vermehrung leisten. Während ungünstigen Umweltbedingungen wird die Repro­duktion gedrosselt oder gar eingestellt (z.B. im Winter oder bei grosser Hitze). In einem milden Herbst ist es möglich, dass Schermauspärchen einen Wurf mehr auf­ziehen als in anderen Jahren. Ebenfalls kommt es vor, dass in milden Wintern die Schermäuse früher als sonst mit der Vermehrung beginnen. Je länger die Vegeta­tionsperiode dauert, desto fleissiger vermehren sich die kleinen Nager. Grob gerech­net können 1 bis 2 zusätzliche Würfe pro Jahr zu einer Verdoppelung der Scher­mauspopulation führen.

Bei einer niedrigen Schermausdichte fallen 1 bis 2 Extrawürfe kaum ins Gewicht. Hingegen kann ein milder Winter einer im Herbst bereits mittelgrossen Schermaus­population dazu verhelfen, im folgenden Frühling in die Massenvermehrungsphase überzugehen (sehr steiler Anstieg in der Populationskurve).