AGFF-Schermausradar 2026
Cornel J. Stutz, Agroscope Zürich
Das Schermaus-Radar ist ein Instrument, um die Dichte von Mäusepopulationen zu schätzen. Seit Frühling 2010 werden von Agroscope und der AGFF jährlich die Dichten von Schermauspopulationen an rund 50 Standorten im Deutschschweizer Mittelland und den angrenzenden Hügelgebieten ermittelt. Die Daten der Mäusepopulationsschätzungen im Kanton Jura werden von der Fondation rurale interjurassienne der AGFF zur Verfügung gestellt.
Das Wissen, ob es zurzeit viele oder wenige Mäuse hat und wie sich die Situation weiter entwickeln wird, ist für Landwirte von grossem Nutzen. Das Schermaus-Radar hilft in Kombination mit einer Beurteilung der Lage auf dem eigenen Betrieb beispielsweise, folgende Fragen zu beantworten:
- Wann ungefähr kann mit einem Populationszusammenbruch gerechnet werden?
- Bis wann lohnt es sich, Mäusebekämpfung zu betreiben?
- Wann muss man damit beginnen, Futterreserven anzulegen, um bei einem allfälligen Totalschaden in den Wiesen glimpflich davon zu kommen?
In Gebieten, wo der Anteil an Futter- und/oder Obstbauflächen hoch ist, verhalten sich Mäusepopulationen zyklisch. Es sind zwei klassische Zyklustypen bekannt:
- Kurve mit Peak: Nach einer relativ langen Periode mit minimaler Mäuseaktivität folgt eine starke, aber kurze Massenvermehrung mit einem anschliessenden raschen Zusammenbruch der Population; regelmässige Zyklusdauer von zirka 5 bis 7 Jahren. So ein Verlauf ist in den letzten Jahren im Kanton Jura, im Napfgebiet, im Zürcher Säuliamt und im Hirzelgebiet aufgetreten.
- Glockenkurve: Nach einer kurzen Zeit mit geringer Mäusedichte folgt eine relativ schwache langandauernde Wachstumsphase mit mässigem Maximum und anschliessendem allmählichen Abklingen der Population; unregelmässiger Zyklus. Diesen Verlaufstyp konnten wir in den letzten Jahren im Appenzellerland, im Rickengebiet, in der Linthebene und im Zürcher Oberland feststellen.
In Gebieten mit einem hohen Fruchtfolgeflächen-Anteil ist die Entwicklung der Schermauspopulationen selten sprunghaft. Weil die intensiv bewirtschafteten Naturwiesen (bevorzugtes Habitat der Schermäuse) nur wie Inseln zwischen Ackerflächen, Siedlungsgebieten und Waldstücken vorkommen, können sich Schermauspopulationen in diesen Gebieten kaum «explosionsartig» vergrössern (z.B. die meisten Mittellandstandorte).
Bei einer Mäusezahl von 300 bis 1000 Tieren pro Hektare, aus pflanzenbaulicher Sicht ein Totalschaden, bricht die Population gewöhnlich zusammen, so dass nur noch wenige Individuen auf der Fläche überleben.
Hinweis zur Interpretation des Mäuseradars
Die Populationsgrössen der untersuchten Flächen geben zwar einen Hinweis, können aber nicht vorbehaltlos auf die Mäusedichte der gesamten Region übertragen werden. Der Mäusebefall kann lokal von Parzelle zu Parzelle stark variieren. Hingegen zeigt die Entwicklung der Mäuseradar-Beobachtungsparzellen an, ob die Schermausbestände regional stagnieren, zu- oder abnehmen.
Die auf der Schweizerkarte eingezeichneten grünen und gelben Punkte symbolisieren Standorte, an denen die Mäusepopulationen momentan noch mit einem vernünftigen Aufwand reguliert werden können. Bei den roten, violetten oder sogar schwarzen Punkten sind die Mäusepopulationen bereits so gross, dass eine grossflächige Regulierung einen unverhältnismässigen Aufwand bedeuten würde. In solchen Gebieten ist es ratsam, den Mäusen nur noch in wertvollen Kulturen (z.B. in Obstanlagen, im Gemüsebau oder in Blumenfeldern) nachzustellen. Bei den violetten und schwarzen Punkten ist mit einem baldigen Zusammenbruch der Populationen zu rechnen.
Aktuelle Erkenntnisse aus den Erhebungen 2026
Seit dem Frühling 2025 sind in vielen Gebieten die Schermaus-Populationen leicht bis stark angestiegen.
In folgenden Regionen sind an den Erhebungsstandorten die Schermaus-Populationen zurückgegangen oder sogar zusammengebrochen: Zürcher-Mittelland; Regionen Schaffhausen und Zug sowie im Hirzelgebiet.
Kaum eine Veränderung (weder deutliche Zunahme noch deutliche Abnahme der Schermaus-Populationsgrösse) gab es in diesen Regionen: Berner-/Solothurner-Mittelland, Emmental sowie in der Region Fricktal.
Einen Anstieg der Schermauspopulationen an den Erhebungsstandorten können wir in diesen Gebieten verzeichnen: Kanton Jura; Baselland, Entlebuch, Luzerner-/Aargauer Mittelland, Zürcher Säuliamt, Zürcher Oberland, Linthebene, Rickengebiet, Appenzell, Region St. Gallen, Thurgauer Seerücken.
Lohnt sich die Mäusebekämpfung überhaupt?
Landwirte, die den Aufwand der Mäuseregulierung scheuen, stellen sich gerne diese Frage. Versuchen wir das Ausmass von Mäuseschäden annäherungsweise herzuleiten.
Eine Schermaus verzehrt täglich eine Biomasse (hauptsächlich Wurzeln) ungefähr im Umfang ihres eigenen Körpergewichtes. Bei einer ausgewachsenen Schermaus sprechen wir von durchschnittlich 120 g Frischmasse pro Tag. Pro Maus verschwinden daher täglich 120 g Wiesen-Wurzelmasse. Wenn unter dem Boden die Biomasse geringer wird, dann sinkt auch die Produktivität auf der Bodenoberfläche. Der Einfachheit halber gehen wir davon aus, dass 120 g weniger Wurzeln auch 120 g weniger Blatt- und Stängelmasse bedeuten. Daraus summiert sich der Jahresverzehr einer ausgewachsenen Schermaus auf 8,76 kg Trockensubstanz. Müsste der Landwirt dieses Futter zukaufen, würde ihn das Fr. 2,63 pro Schermaus kosten (Fr. 30 pro dt TS gepresstes Belüftungsheu). Sollte er genügend Futter für den Eigenbedarf haben, entginge ihm pro Schermaus dennoch ein Erlös von Fr. 2,63, weil er das von seiner Schermaus gefressene Futter nicht verkaufen kann (siehe Tabelle 1).
Schermäuse sind Feinschmecker. Sie lieben fleischige Wurzeln von gut gedüngten Wiesenpflanzen. Besonders gern haben sie die eiweissreichen Kleewurzeln. Wenn die Mäuse den Klee in einem Wiesenbestand dezimieren, sinkt auch die Menge an fixiertem Luftstickstoff. Wenn der Landwirt den nicht mehr fixierbaren Luftstickstoff zukaufen muss, kostet ihn das pro Maus Fr. 0,78 (Fr. 70 pro 100 kg Ammonsalpeter). Sobald der Klee in der Wiese ausgedünnt ist, machen die Mäuse sich hinter die nahrhaften Raigräser. Durch die Verschlechterung der botanischen Zusammensetzung einer Wiese verringert sich langfristig der Ertrag und auch die Futterqualität. Da dies schwer zu quantifizieren ist, vernachlässigen wir diesen Aspekt in unserer Kalkulation.
Der Futterausfall infolge Mäusefrasses und der Düngeverlust durch den reduzierten Kleeanteil bescheren dem Landwirt versteckte Kosten von Fr. 3,41 pro Maus. Eine einzelne Maus tut keinem weh – aber 50, 100 oder sogar 150 Mäuse pro Hektare gehen ins Geld (siehe Tabelle 1). Wenn sich noch mehr Mäuse in unserer Wiese einnisten, dann werden zusätzlich Wiesenreparaturmassnahmen erforderlich: Mäusehaufen ausebenen, vielleicht eine Übersaat mit anwalzen oder wenn es ganz schlimm wird, auch eine Neuansaat. Bei einer Neuansaat mit Maschinen- und Mannstunden, Saatgut und Futterausfall sprechen wir von rund Fr. 1800 pro Hektare.
Auf der einen Seite können die Mäuse hohe Kosten verursachen. Auf der anderen Seite ist die Mäusebekämpfung mit Aufwand verbunden und darum auch nicht gratis. Regionen mit einem hohen Wiesenanteil sind besonders anfällig für periodisch hohe Mäusedichten. In diesen Gebieten ist eine Strategie für die Mäuseregulierung erforderlich. Unter folgenden Bedingungen ist die Mäuseregulierung besonders effizient:
- Wenn es im Laufe des Mäusezyklus einmal wenig Mäuse pro Hektare hat: Entweder direkt nach einem Populationszusammenbruch oder vor einem neuen Vermehrungszyklus.
- Zu Beginn der Vegetationszeit, also während oder unmittelbar nach der winterlichen Reproduktionspause. Denn ein Schermauspärchen im Frühling kann unter günstigen Bedingungen bis zum Herbst eine Sippe von über 100 Mäusen aufbauen.
Wiesenverbesserung - Wiesenreparatur
Zu Vegetationsbeginn ist der beste Zeitpunkt, um mäusegeschädigte oder generell lückige Wiesen- und Weidebestände zu verbessern. Dazu gehört als erstes das Abschleppen der Mäusehaufen mit Wiesenegge, Striegel oder Walze. Bei weniger als 25 % Lücken kann diese Massnahme ausreichen. Man kann diese verkraftbaren Schäden jedoch auch nutzen, um mittels einer Übersaat eine grundsätzliche Bestandesverbesserung zu erwirken. Bei einem erhöhten Anteil von Lücken im Pflanzenbestand (25 – 50 % Lücken) ist eine Übersaat unabdingbar. Ist der Pflanzenbestand zu stark beschädigt (mehr als 50 % Lücken), ist eine Totalsanierung mit Neuansaat angezeigt.
Weitere Informationen und Hinweise siehe auch:
AGFF-Merkblatt Nr. 5 «Wiesenverbesserung im mittelintensiven und intensiven Futterbau»
AGFF-Information U6 «Regulieren von Mäusepopulation»
AGFF-Information U6.1 «Sanierung von Mäuseschäden in Wiesen und Weiden»
AGFF-Information U5 «Wiesen- und Weidepflege mit Striegel, Wiesenegge und Walze»
- Standorte Aargauer Mittelland 2026 (380 KB)
- Standorte Deutschschweizer Jura 2026 (383 KB)
- Standorte Hirzelgebiet 2026 (383 KB)
- Standorte Kanton Jura 2026 (448 KB)
- Standorte Luzerner Mittelland 2026 (381 KB)
- Standorte Napfgebiet 2026 (381 KB)
- Standorte Ostschweizer Voralpen 2026 (348 KB)
- Standorte Zuercher Mittelland 2026 (380 KB)
- Uebersicht alle Standorte Maerz 2026 (330 KB)
- Uebersicht Erhebung Maerz 2026 (193 KB)








